Wegwarte - Cichorium intybus

Der Weg, das Ziel und die Zeit

Aus dem Buch:

ich stehe an deinem Wegesrand

*

du bist bereits am Ziel, wenn du den Weg beginnst

Ziel und Weg sind eins

*

ich gebe dir die Kraft deinen Weg bis zum Ende zu gehen

*

ich bin – du bist

ich bin der Saum, der Übergang,

nicht Weg noch Wiese

Cichorium intybus einzelne Blüte
Wegwarte

Cichorium intybus

Fotos: Karin Leffer


Interessantes über die Heilpflanze Wegwarte

Jedes Jahr freue ich mich, wenn die Wegwarte an den Weg- und Straßenrändern mit ihrem strahlenden Blau in Erscheinung tritt. Eine treue Wegbegleiterin.

 

Die alten Erzählungen geben das wieder, was sie von sich selbst erzählt. Sie steht am Wegesrand und wartet - eine Warte. Als Mädchen, das mit tiefblauen Augen am Wegesrand wartet und sehnsüchtig die Rückkehr ihres Geliebten erwartet. Und weil er bis heute nicht zurückgekehrt ist, steht sie unerlöst noch immer am Wegesrand.  Der Sinn ihrer Erscheinung ist der Weg, der gleichzeitig das Ziel ist....

 

Wie sie uns begleitet, wenn wir an ihr vorbeigehen, begleitet sie auch die Sonne. Am frühen Morgen blicken ihre himmelblauen Blüten in Richtung Sonne und sie folgen ihr bis zum Nachmittag, wenn sie ihre Blüten noch weit vor Sonnenuntergang schließt, wobei ihre Farbe im Laufe des Tages immer blasser wird. Der Römer Ovid erzählt, wie die vom Sonnengott Phoebius verschmähte und eifersüchtige Clytie 9 Tage lang vergeblich auf ihren Sonnengott wartet. Sie verwandelt sich in die Wegwarte und wendet in ewiger Liebe ihr Antlitz dem Sonnengott entgegen (sie ist im Buch die 9. Pflanze).

 

Die Germanen verwendeten die Pflanze ursprünglich nicht nur als Heilpflanze, sondern auch in der Zauberei, besonders zur Herstellung von Zaubertränken. So soll sie nach dem Volksglauben zufolge Fesseln sprengen, stich- und hiebfest machen und wie eine Tarnkappe Unsichtbarkeit verleihen. Dazu muss man die seltenen weiß blühenden Exemplare suchen...

 

 

Anwendung der Heilpflanze

Ihre Wurzel wird zur Herstellung des Zichorienkaffees verwendet. Er enthält im Gegensatz zum Bohnenkaffee kein Coffein. Die kleingeschnittenen Wurzelstücke werden getrocknet und nach einer Lagerzeit von 3 Monaten geröstet. Dabei karamellisiert der Zucker den die Wurzeln enthalten. Die abgekühlten Wurzeln werden fein gemahlen, mit Speiseölen, Carbonaten, Melasse und Zucker vermischt und kommen dann als Zichorienkaffee in den Handel.

Um 1870 trieben die Wurzeln bei der Lagerung Blätter und man entdeckte, dass diese sich als Rohkost oder als gedünstetes Gemüse eigneten. Seitdem wird die Gemüsepflanze unter dem Namen Chicorée verkauft. Eine weitere Variante ist der rotblättrige Radiccio.

 

Heilanwendung

Die Wegwarte wird als blutreinigend, appetitanregend, abführend, wurmtreibend, schmerzstillend, harntreibend, schweißtreibend und stärkend beschrieben. Die Wegwarte wird in der Naturheilkunde insbesondere als Mittel gegen Leberbeschwerden, Verdauungsschwäche, Magenverschleimung, chronischen Hautausschlägen und zur Reinigung der Nieren, der Leber, der Milz und zur Anregung der Galle eingesetzt. Darüber hinaus gilt Wegwarte als hilfreich bei Unterleibsbeschwerden, Hypochondrie, Gelbsucht, Anämie, Diabetes, Verstopfung, Blutspeien, Brustleiden, Magendrücken und Augenleiden. Äußerlich wird die Wegwarte als hilfreiches Kraut bei Hautausschlägen, Geschwüren, leichten krampfartigen Beschwerden und schmerzlichen Entzündungen am Körper beschrieben.

 

Bachblütentherapie: Chicory Nr. 8

Die positive Richtung in die uns Chicory bringt:

Sie symbolisiert das Wesen der selbstlosen Liebe (siehe Erzählung von Orvid).

Die negative Richtung aus der uns Chicory heraushilft:

Als Leitsatz der Chicory gilt eine besitzergreifende Persönlichkeit, die sich bewusst oder unbewusst aus zu starker Sorge um andere überall einmischt. Die Anwendung von Chicory soll helfen, sich selbst nicht mehr unbedingt in den Mittelpunkt zu stellen und sich anderen uneigennützig zuzuwenden.

 

Erwartungen, die an die Fürsorge geknüpft werden. Und später die Enttäuschung, wenn dieses eifrige Helfen und Einschmeicheln nicht gebührend “Früchte trägt”. Das heisst, wenn es nicht im entsprechenden Masse von den Menschen (oder dem Schicksal) zurück kommt. Die negative Gemütsstimmung von Chicory stellt Bedingungen an sein liebevolles Tun. Wenn es nicht im entsprechenden Umfang zurückkommt, ist es beleidigt.  Doch Chicory will uns helfen, genau das nicht zu tun. Es spielt keine Rolle, ob das, was ich tue, in Zukunft Früchte trägt. Auch die Liebe mag den strahlenden Moment des Jetzt.

 

Homöopathische Beschreibung

Quelle: www.drogerie-hermann.ch/artikel.cfm?artikel=5818

Die Kraft des Jetzt, Ja zur Gegenwart, Treue

 

Der Mensch geht einen Weg mit vielen Gabelungen, und an jeder Verzweigung muss er sich entscheiden. Geht er wirklich seinen Weg, bleibt er ihm treu, oder wird er durch fremde Einflüsse oder innere Zweifel irregeleitet? Ist er gefangen im Strom der Zeit? Hadert er mit Vergangenem, träumt er von Zukünftigem? Oder geht er mit der spielerischen Leichtigkeit des Augenblicks durchs Leben wie der Gaukler? An mittelalterlichen Höfen genoss der Gaukler Narrenfreiheit. Er hielt dem Regenten einen Spiegel vor, ohne moralisches Urteil, spielerisch, närrisch. Die Leichtigkeit des Jetzt enthält ein spielerisches, tief ernstes Moment und macht unangreifbar, weil sie in der Wahrheit steht.

 

Die Wegwarte stellt den Menschen mit beiden Beinen in das Jetzt des Augenblicks, weckt aus Träumereien und verbindet mit dem Augenblick, dem Hier und Jetzt. Die Signatur des Jetzt, des Heute zeigt ihm seinen Standort. Nicht durch die Vergangenheit, nicht durch die Zukunft, sondern durch das strahlende Heute, den Moment, in dem ich lebe, bin ich verbunden mit meinem ursprünglichen Auftrag.

 

Die Wegwarte öffnet mit ihrer himmelblauen Blüte jeden Tag von neuem ein Fenster, das den Menschen aus dem Zeitenstrom hinausführt in den Moment und damit in die Wirklichkeit des innersten eigenen Auftrags. Im bewussten Ergreifen des Augenblicks nimmt der Mensch wertfrei seinen momentanen Standort wahr. Er realisiert, dass er einem Plan gemäß geführt wird, dass seiner Existenz ein Gesetz zugrunde liegt. Dieses Gesetz heißt Treue sich selbst gegenüber, Treue zum eigenen Lebensplan, zum ursprünglichen Auftrag.

 

 

Weitere Informationen und Quellen